Presseinformation, 05.05.2020

 

Netzwerk Inklusion und Teilhabe im Landkreis Northeim fordert Nachbesserungen

 

Anlässlich des Europäischen Protesttags der Menschen mit Behinderung trafen sich am 5.5. Vertreter*innen der Netzwerks Inklusion und Teilhabe im Landkreis Northeim am kleinen Wochenmarktplatz in Northeim, um für eine gleichberechtigte Teilhabe von Kindern mit Behinderung in der Schule einzutreten. Eigentlich habe das Bündnis für diesen Tag eine größere Veranstaltung in der Stadthalle Northeim zum Thema Inklusion in der beruflichen Ausbildung geplant. Diese habe wegen der Corona-Krise verschoben werden müssen. Nun drängten sich ganz andere Fragen in den Vordergrund, erklärt Susanne Grebe-Deppe (EUTB Northeim): „Die Bedürfnisse und Rechte von Schüler*innen mit Einschränkungen und die ihrer Familien werden in der aktuellen Corona-Krise weitgehend vergessen.

In den Abschluss- und Übergangsklassen sowie an den Grundschulen in Niedersachsen hat der Präsenzunterricht bereits wieder begonnen und soll in zwei weiteren Schritten bis Ende Mai/ Anfang Juni für alle Klassen angeboten werden. Schüler*innen mit Förderbedarf Geistige Entwicklung jedoch müssen mit Ausnahme der Abschlussklassen in den Jahrgängen 1 bis 9 noch bis zum letzten Zeitpunkt warten. Kinder, die aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage sind Abstandsregeln und Hygienevorgaben einzuhalten, sollen bis auf weiteres komplett vom Unterricht in der Schule ausgeschlossen bleiben. Sie nehmen ‚am häuslichen Lernen teil‘, so ein Leitfaden des Kultusministeriums.“ Dies komme einem Ausschluss von Bildung und auch vom sozialen Leben für diese Kinder gleich.

Zdravko Dusanek (Pro Inklusion e.V.) kritisiert, dass seit Mitte März fast alle Familien mit behinderten Kindern auf sich allein gestellt seien und keinerlei Unterstützung bei der Betreuung oder beim Lernen Zuhause erhielten: „Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat erst am 30.04 in einem Brief erklärt, dass ‚Kinder durch Schulbegleitung sowohl in der Schule als auch beim Lernen Zuhause unterstützt werden können‘.“ In der Region Hannover seien Schulassistent*innen schon länger auch Zuhause im Einsatz, um Kinder beim Lernen zu unterstützen. Im Landkreis Northeim jedoch werde diese Möglichkeit erst jetzt bekannt. „Der Einsatz von Schulbegleiter*innen Zuhause kann Familien entlasten. Weshalb wissen Familien davon nichts?“, fragt Monika Nölting (Beirat für Menschen mit Behinderung beim Landkreis Northeim).

Die Vertreter*innen des Netzwerks Inklusion und Teilhabe nehmen mit ihrer öffentlichen Aktion das diesjährige Motto der Aktion Mensch auf – „Inklusion von Anfang an. Los geht’s. Mit dir!“ Mit einem offenen Brief wenden sie sich an das Kultusministerium: „Kinder mit Behinderung werden in Niedersachsen durch die Vorgaben des Kultusministeriums erheblich benachteiligt. Diskriminiert werden Kinder, die eine Förderschule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung besuchen, Kinder, die kognitiv oder mehrfach behindert sind und deshalb Hygienemaßnahmen nicht umsetzen können, sowie Kinder, die normalerweise im Schulalltag von einer Schulassistenz begleitet werden. Das Kultusministerium muss umgehend tätig werden, um diesen Kindern eine gleichberechtigte Teilhabe an Bildung zu geben.“

Die Netzwerker*innen kritisieren weiterhin, dass Förderschulen und Tagesbildungsstätten erst sehr spät oder gar keine Notgruppen eingerichtet hätten und dass diese nicht mit Blick auf die besonderen Herausforderungen mit der Betreuung belasteter Familien ausgerichtet seien. „Insbesondere Familien, in denen Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf leben (z.B. mit frühkindlichem Autismus oder Mehrfach-Behinderung), sind mit der Versorgung rund um die Uhr extrem belastet. Angehörige brauchen Entlastung im Alltag, damit sie diese besonderen Herausforderungen durchstehen“, schreiben die Aktiven in ihrem offenen Brief an Kultusminister Tonne.

 

Für weitere Informationen stehe ich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Grebe-Deppe

 

Bericht (PDF)

 

Vertreter*innen des Netzwerks Inklusion und Teilhabe im Landkreis Nordheim

 

Foto: Vertreter*innen des Netzwerks Inklusion und Teilhabe im Landkreis Northeim

Von links:
Monika Nölting (Beirat für Menschen mit Behinderung beim LK Northeim), Lisa Severitt (Selbsthilfekontaktstelle ZISS), Susanne Grebe-Deppe (EUTB Northeim), Zdravko Dusanek (Pro Inklusion e.V.), Nicole Romanus (EUTB Northeim)